Mutter eines CISV-Village-Kindes

Vor zwei Jahren fuhr meine Tochter Johanna in ihr erstes CISV Village nach Michigan City, USA. Sie war sehr aufgeregt und freute sich riesig. Und obwohl ich mich für sie mitfreute und wusste, dass sie sehr viel Spaß haben würde – ich habe selbst als Kind an einem CISV Village in Dänemark teilgenommen –  so war mir doch etwas mulmig zumute. Was wäre wenn sie Heimweh bekommt oder sich verletzt? Johanna wurde von einem wunderbaren Leader, Benny, begleitet, der mit seiner ruhigen Art all meine Bedenken beiseite wischte. Es gab mehrere Kinder-Leader-Eltern Treffen, die vor der Abreise auf etwa 4-5 Monate verteilt waren. In dieser Zeit lernten wir einander besser kennen, und die Kinder bereiteten zusammen mit Benny Scrapbooks und die österreichische National Night vor. Wir Eltern organisierten Souvenirs und Mitbringsel, sowie den obligatorischen Kaiserschmarrn für die National Night. Alles wurde in Kisten verpackt und schon im Vorhinein zum Camp geschickt. Ebenso gab es ein PreCamp, das von allen österreichischen Kindern die im Sommer mit CISV verreisen würden, besucht wurde. Dort schnupperten sie zum ersten Mal CISV-Camp-Luft. Johanna kam überglücklich und auch etwas übermüdet nach Hause und konnte von da an die Abfahrt nach Amerika kaum mehr erwarten.

Der Abschied fiel den Kindern gar nicht schwer. Sie waren sehr aufgeregt und wollten so schnell wie möglich zum Flugzeug. Da Handys am Camp nicht erlaubt sind, hoffte ich auf Briefe von Johanna. Sie war aber wohl so sehr beschäftigt, dass ich leider nur 2 E-Mails von der Zeit, die sie bei den 2 Gastfamilien verbrachte hat, erhalten habe. Offensichtlich waren diese E-Mails nicht auf ihren Wunsch geschrieben worden, sondern auf Drängen der Gasteltern (vielen Dank!!). Sie bestanden aus ca. 5 Zeilen, in denen sie begeistert von den Haustieren der Gastfamilie erzählte und dass ihre beste Freundin aus Amerika und Brasilien kommen. Am Camp mussten sie einmal eine Postkarte an die Eltern schreiben. Aber auch diese war nicht sehr informativ. Sie war typisch abgelenkt von ihren Freundinnen, mit denen sie lieber spielen wollte, denn die Karte bestand aus einen unverständlichem Misch-Masch aus Deutsch und Englisch… Ich war also weiterhin auf die E-Mails von Benny angewiesen, die er Gott sei Dank doch einmal pro Woche an uns alle verschickte. Ich verfolgte den Camp-Blog täglich und hoffte auf neue Fotos. Als das Camp vorbei war, fragte ich Johanna, ob sie uns vermisst und Heimweh gehabt hatte. Sie antwortete: “Ich hatte kein Heimweh, wann soll ich das gehabt haben? Vermisst habe ich euch schon, aber eigentlich nur meine Schwester. Das war der schönste Sommer meines Lebens! “